Es ist März, die Tage sind noch kurz und unbeständig, mehr Regen als Sonne und Sicherheit auf dem Wasser sammeln konnte man im langen Winter auch noch nicht. Die perfekten Bedingungen also, um sieben Sportlerinnen und Sportler des Kinderrennsports gemeinsam mit Sack, Pack und Trainerentourage in Bus und Benz zu stecken, um vom 21.03. bis 28.03. ein Jugendcamp mit Rudern, Gemeinschaftsaktionen und ein bisschen Bildungsauftrag an der Nordseeküste/Elbküste zu absolvieren.
Vor Ort, traditionell im Bootshaus des TSV-Otterndorf, angekommen, warteten zur Enttäuschung vieler leider noch keine Kühe (denen war es wohl noch zu kalt). Glücklicherweise wurde das durch einen hochmotivierten Bauern kompensiert, der Tag und Nacht auf der Wiese hinterm Schlafraum die Gülle ausfuhr. So wurde das Bedürfnis nach "raus aufs Land" doch ordentlich gestillt und es gab ausnahmsweise mal keine Diskussionen, ob nicht besser mit offenem Fenster geschlafen werden sollte.
Ruderisch präsentierte der Kanal sich dieses Jahr ausgesprochen ruhig. Neben uns waren lediglich die Lokalmatadoren aus Otterndorf mit einer kleinen Gruppe anwesend sowie eine, im Vergleich zu den Vorjahren, überschaubare Anzahl externer Kinder und Junioren aus Lüneburg. Es konnte (glücklicherweise?) also nicht der Otterndorfer-Steg-Stau für die Regatta geübt werden und auch auf dem Wasser war außerordentlich viel Nichts. Ganz allgemein präsentiert sich der Hadelner-Kanal für jemanden, der nur das Maschseekarussell gewohnt ist, wie eine andere Welt. 30 Kilometer ohne Wende geradeausrudern ist genauso möglich, wie bei Windstärke 8 im Schutze des Deiches noch ruderbares Wasser zu finden. Glücklicherweise war beides, zur Freude der teilweise 10-Jährigen, nicht nötig und wir konnten uns auf kürzere Rudereinheiten mit unangenehm-welligen Bedingungen beschränken. Wettermäßig gab es ebenfalls keinerlei FOMO. Von kurz-kurz bei 20°C und Sonne über schnelle Wechsel von klarem Wetter zu dichtem Küstennebel und wieder zurück in unter 10 Minuten bis bissige Böen mit Schnee, Hagel und blauen Fingern war alles dabei, sodass die Vitamin-C und Vitamin-Mimimi-Speicher ordentlich aufgefüllt werden konnten. Trotzdem, oder genau deshalb, konnten erstaunlich viele Wasserkilometer gesammelt werden.
So wurde in nur einer Woche beachtlich viel gelernt. Über Rudern, Rudertechnik, Durchhaltevermögen und Bootskunde (abhängig voneinander). Fleißenten, Magerquark, Spinnen und Tod durch Brot (unabhängig voneinander). Um zusätzlich den Bildungsauftrag zu erfüllen, wurden die Kids nahezu täglich herausgefordert. In nur gemeinschaftlich zu lösenden Detektivrallys und Kreuzworträtseln mussten in 67 Runden durch die Innenstadt die Geheimnisse um Otterndorfs Utröper und Haie gelöst werden. Um neben Haferkeksen und Gummibärchen auch vernünftige Ernährungsalternativen zu bieten, mussten alle Kinder (mehrfach) zum Kochlöffel greifen und für die warmen Mahlzeiten auf dem Tisch sorgen. Hier wurde in ganzer Linie nicht enttäuscht, die Notfallnummer vom Pizzabringdienst musste nie gerufen werden und frei nach dem Motto "ohne Mampf kein Kampf" sind wir nun alle bereit, die kommende Regattasaison richtig anzugreifen. Los geht es Anfang Mai in Bremen, gefolgt von einem Dejà-vu in Otterndorf, dem Landesentscheid der Nordländer in Hamburg und dem Bundeswettbewerb in Münster im Juli.



